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Experteninterview zur „Holz- und Pelletheizung“ Drucken E-Mail
Dr. Lothar Breidenbach, Geschäftsführer Technik des Bundesindustrieverbandes Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH), beantwortet zentrale Verbraucherfragen für das Heizen mit Pellets oder Scheitholz

Frage 1:
Nach Verabschiedung der Novelle zur Energieeinsparverordnung im Oktober 2013 dürfen viele alte Heizkessel, die 30 Jahre und älter sind, ab 2015 nicht mehr betrieben werden. Was antworten Sie dem privaten Hausbesitzer, der sich beim Heizungsaustausch für eine Pellet- oder Scheitholzzentralheizung interessiert? Mit welchem baulichen Aufwand muss der Bauherr im Zuge der Umrüstung rechnen? 

Antwort 1:
Grundsätzlich ist es vollkommen unproblematisch, bei der Heizungssanierung auf eine Scheitholz- oder Pelletheizung umzustellen. Unabhängig von der Wahl des Holzheiz- sys-tems, haben die Heizkessel für eine zentrale Holzheizungsanlage die gleichen Ausmaße wie die Kessel fossiler Heizsysteme und lassen sich damit problemlos an ihren Aufstel-lungsort bringen. Kommt ein Pelletkessel zum Einsatz, installiert man zudem ein Pelletsilo – im Einfamilienhaus reicht dafür normalerweise eine Grundfläche von vier bis fünf Quad-ratmetern. Da dies der Dimensionierung eines konventionellen Öltanks entspricht, entsteht bei der Umrüstung von Öl auf den Brennstoff Holzpellets in den meisten Fällen also kein zusätzlicher Raumbedarf. Den Unterschied merkt man allerdings in den Energiekosten: Durch den niedrigeren Brennstoffpreis lassen sich mit Holzheizsystemen die Heizkosten um bis zu 40 Prozent reduzieren.

Frage 2:
Was muss ich denn bei der Brennstofflagerung beachten – sowohl bei der Pellet- wie auch bei einer Scheitholzheizung?


Antwort 2:
Die einfachste Lösung zur Pelletlagerung besteht in einem vorgefertigten Silo oder Gewe-betank. Diese Lagereinheiten können komfortabel über einen Schlauch von einem Tanklaster beliefert werden – vergleichbar mit der Anlieferung von Heizöl. Der Tank oder das Silo kann entweder im Keller oder außerhalb des Hauses aufgestellt werden – wenn der Platz vor  Regenwasser geschützt ist. Auch die Scheitholzlagerung ist einfach, es gilt nur einige wenige Grundregeln zu beachten: Um eine Verstockung und damit einen Verlust an Heizwert zu vermeiden, verpacken Sie frisch geschlagenes Brennholz nie in Plastikplanen oder lagern es in geschlossenen Räumen. Ein guter Lagerplatz ist ein sonniger und windiger Ort mit trockenem Untergrund, etwa vor Süd- und Westfassaden. Dabei sollten mindestens 10 Zentimeter Durchlüftungsabstand zur Hauswand eingehalten werden. Und noch ein Tipp: In Kreuzstapeln geschichtet oder auch in Gitterboxen gestapelt trocknet das Scheitholz schneller. So kann innerhalb von zwei Jahren ein Wassergehalt von unter 20 Prozent erreicht werden und es ist zu Heizzwecken verwendbar. Nach der Trocknungsphase im Sommer muss das Brennholz übrigens gegen Regen geschützt werden, zum Beispiel mit einer Plastikplane.

Frage 3:
Stichwort Benutzerkomfort – sind Holzheizsysteme hier inzwischen auf Augenhöhe  mit Gas und Öl?

Antwort 3:
Absolut. Eine Pelletzentralheizung erhält den Brennstoff aus dem Lagerraum über eine Förderschnecke oder eine Saugförderung. Dies geschieht bedarfsgerecht und automa-tisch. So erinnern die meisten Anlagen automatisch daran, wenn eine Nachbestellung an Brennstoff ansteht. Bei modernen Scheitholzvergaserkessel sind die Füllräume so groß und die Verbrennung so effizient, dass selbst im Winter meist nur ein bis zwei Mal am Tag Holz nachgelegt werden muss, in den Übergangszeiten genügt in der Regel sogar ein Nachfüllintervall von zwei Tagen. Auch der Aschebehälter muss bei diesen Systemen nur selten entleert werden, etwa ein- bis zweimal im Monat. Die Asche darf entweder über den Hausmüll entsorgt werden oder dient als wertvoller Dünger im Garten.


Frage 4:
Was muss man als Heizungssanierer investieren, wenn man sich für eine Pelletzentralheizung oder Scheitholzvergaseranlage interessiert?

Antwort 4:
Eine Pelletzentralheizung inklusive Brennstofflager und Installationsarbeiten kostet ca. 15.000 Euro, der Einbau eines Pelletkessels wird jedoch augenblicklich im Sanierungsfall mit mindestens 2.400 Euro gefördert. In Kombination mit einem Pufferspeicher winken sogar mindestens 2.900 Euro. Nachdem die Brennstoffkosten allerdings wesentlich niedriger liegen als bei fossilen Energieträgern, liegt die Amortisationsdauer für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 140 m² bei nur 7-8 Jahren. Moderne Scheitholzvergaserkessel mit Pufferspeicher schlagen mit ungefähr 10.000 Euro zu Buche, diese Anschaffung wird vom Staat pauschal mit 1.400 Euro unterstützt. Generell können Heizungsmodernisierer bei einer Umstellung auf eine Holzheizung zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (www.kfw.de) in Anspruch nehmen.

Frage 5:
Es gibt Stimmen, die behaupten, der deutsche Wald müsse eines Tages die Rechnung dafür zahlen, dass die Holzheizung immer beliebter wird. Wie begegnen Sie dieser Kritik?

Antwort 5:
Um den heimischen Wald muss man sich keine Sorgen machen. Mit über 3,4 Milliarden Kubikmetern ist er nicht nur die größte Holzreserve Mitteleuropas, sondern auch die am schnellsten nachwachsende Ressource. Zudem ist in Deutschland eine nachhaltige Be-wirtschaftung der Wälder zum Schutz vor einer Übernutzung gesetzlich vorgeschrieben. Darüber hinaus ernten wir zurzeit noch nicht einmal den jährlichen Zuwachs des Waldes. Das heißt, selbst bei einem harten Winter und zunehmender Nachfrage sind keine Versor-gungsengpässe absehbar. Zudem werden Pellets zu 90% aus Restholz und Sägespänen hergestellt, also Abfallprodukten der deutschen Sägeindustrie und holzverarbeitenden Branchen.

Frage 6:
Auch die Frage zu Feinstaubemissionen und Klimaneutralität der Holzheizung kommt im-mer wieder auf. Wie können Sie diesen Vorbehalten entgegnen?

Antwort 6:
Verbrennungsüberwachung, automatische Brennstoffzufuhr und eine intelligente Verbrennungsluftregelung gehören zu jedem modernen Holzheizungssystem. Das sorgt für sehr niedrige Emissionswerte sowie geringen Brennstoffverbrauch. So reichen für ein durchschnittliches Einfamilienhaus vier bis sechs Tonnen Holzpellets im Jahr, um den Wärmebedarf zu decken. Zudem erfüllen Scheitholz- und Pelletheizanlagen deutscher Hersteller die strengen Emissionsvorgaben für kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV) ohne zusätzliche Filter-Nachrüstung. Darüber hinaus kann man durch die Installation einer Holz- oder Pelletheizung in einem Einfamilienhaus mit nur geringer Wärmedämmung im Vergleich zu fossilen Energien bis zu 13 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Denn bei der Holzheizung fällt kein fossiles CO2 an - bei der Verbrennung wird nur so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie der Baum im Wachstum gebunden hat. Da der Energieträger Holz überwiegend aus heimischer Produktion stammt, entfallen zudem lange Lieferwege. Das reduziert den Primärenergiebedarf dieser Energiequelle gegenüber fossilen Systemen um bis zu 80 Prozent.
 


ENDE

 

 

 



 

 


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Initiative Holz und Pellets,
Köln/Berlin
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